„Mein Hund soll mich beschützen!“
der gefährliche Wunsch nach einem beißenden Familienhund
Kann man einen Familienhund dazu ausbilden, seine Menschen im Alltag zu beschützen und im Ernstfall Fremde zu beißen? Eine Anruferin suchte genau diese Ausbildung für ihre sechs Monate alte Schäferhündin. Meine Antwort war eindeutig: Nein. Denn dieser Wunsch hat mit kontrolliertem Schutzhundesport wie IGP oder Mondioring nichts zu tun – und kann für den Hund, seine Halter und unbeteiligte Menschen schwerwiegende Folgen haben.
Ein Anruf bei der Hundeschule
Ein Tag wie unzählige andere, zwischen zwei Nachtschichten. Es ist 15:00 Uhr, ich sitze beim Essen, da klingelt das Telefon.
„Diensthunde Rhein-Main, Petschull, guten Tag?“
„Guten Tag, wir haben eine sechsmonatige Schäferhündin. Wir suchen eine gute Hundeschule, wo sie lernt, uns zu beschützen. Also eine Schutzhundeausbildung. So etwas machen Sie doch?“
Oha. Da bleibt mir fast der Bissen im Hals stecken.
Nur jetzt freundlich bleiben, ermahne ich mich selbst.
Vielleicht meint die Dame ja Hundesport, IGP oder Mondioring. Ich frage nach: „Meinen Sie Hundesport?“
„Nein, sie soll uns im Alltag beschützen, Hundesport wollen wir keinen.“
Hmmm. Wo fängst du jetzt am besten an?
Ich rede gar nicht lange drum herum: „Nein, so etwas machen wir nicht.“
Rechtlich wäre das außerordentlich problematisch, Ihrem Hund gezielt beizubringen, Menschen zu beißen: „Abrichten zum Zwecke der gesteigerten Aggression gegen Menschen…“
Aber sie soll ja nicht gleich Menschen beißen!
Ah so? Und was genau soll sie denn dann tun, wenn sie Sie „beschützt“? Wie genau soll das denn aussehen, wenn Sie nicht beißen soll?
An dieser Stelle muss man klar unterscheiden: IGP und Mondioring sind Hundesportarten mit festgelegten Abläufen, klaren Signalen und kontrollierten Situationen. Das Ausbildungsziel besteht nicht darin, dass der Hund im Alltag selbstständig Menschen als Bedrohung einstuft und angreift. Genau das erwartete die Anruferin jedoch von ihrem Familienhund: Er sollte entscheiden, wann Schutz nötig ist, und dann einen Menschen beißen.
Na ja, sie soll ja nur beißen, wenn sie uns beschützt.
Ah ja.
Ich würde außerdem meine Trainerlizenz dadurch riskieren, und Ihren Hund einen großen Schritt in Richtung „gefährlicher Hund“ machen lassen, mit allem, was das mit sich bringt — für Sie und für den Hund.
Schweigen.
Dann: „Ihre Hunde beißen ja auch!“
Schutzhundesport und Beißen im Alltag sind nicht dasselbe
Erstens: nein, die arbeiten nur mit Beißkorb, genau weil der Hundeeinsatz rechtlich immer eine sehr zweischneidige Sache ist.
Zweitens: die Diensthundeführer haben durch ihre Ausbildung und Schulung einen recht genauen Überblick über die rechtliche Situation, also was sie wann dürfen und was nicht. Wären Sie Diensthundeführerin, könnten wir vielleicht drüber reden — abgesehen davon, dass Ihr Hund auch dann noch viel zu jung wäre für so eine Belastung.
Sie sollten in dem Alter Ihren Hund beschützen, das wäre Ihre Aufgabe als Vertrauensperson Ihres Hundes.
Schnippisch: „Na, dann kommen wir wohl nicht zusammen.“
Nein, wohl eher nicht.
Ich hatte noch nicht aufgelegt, da war mir schon klar: sie wird jemanden finden, der ihr das verkauft, da bin ich mir hundertprozentig sicher.
Irgendwie wollte mir das Essen an dem Tag auch nicht mehr so recht schmecken.
Auch rechtlich kann ein solches Ausbildungsziel erhebliche Folgen haben. In Hessen können Hunde unabhängig von ihrer Rasse als gefährlich gelten, wenn sie Menschen ohne begründeten Anlass beißen oder ihr Verhalten die Annahme rechtfertigt, dass sie dies tun werden. Damit können unter anderem Erlaubnispflichten, Sachkundenachweis, Wesensprüfung und behördliche Auflagen verbunden sein.

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