Wie ich eines vom anderen unterscheiden kann

Startseite » Claudias Blog » Diensthund-Ausbildung — Könner oder Schaumschläger?

Rund um das Thema Diensthunde im privaten Sicherheitsdienst kursiert jede Menge Un- oder Halbwissen. Viele Leute erzählen viel, was ihnen mal jemand erzählt hat, oder was sie sich selbst ausgedacht haben. Und wenn ihnen häufig genug jemand zuhört ohne zu widersprechen, dann wird am Ende fast so etwas wie eine Wahrheit daraus.

Das gilt übrigens nicht nur für mündlich Erzähltes; besonders Mutige (ich finde jedenfalls, dass man dazu schon sehr mutig sein muss) halten sogar Seminare ab oder schreiben Bücher über Diensthund-Ausbildung, ohne eine nennenswerte Ahnung davon zu haben!

Eine Rezension eines besonders gelungenen Exemplars findet sich an anderer Stelle in diesem Blog.

Damit will ich nicht pauschal Diensthundeleute diskreditieren, es gibt natürlich auch Gute und Fachkundige darunter (schau in meine Link-Liste, da findest du welche). Selbst unter Hundebüchern gibt es welche, die etwas taugen.

Ich will dich zur Wachsamkeit einladen gegenüber Fachleuten wie Selbstdarstellern in der Hundeszene, besonders gegenüber denen mit Allwissenheitsanspruch oder der „einzigartigen XYZ-Methode“. Auf einen ganz einfachen Nenner gebracht: Je lauter einer trommelt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, es mit einem Schaumschläger zu tun zu haben.

Ob „Diensthund-Ausbilder“, „Hundeausbilder“, „Hundetrainer“, „Kynopädagoge“ oder „Hundepsychologe“ — all das sind keine geschützten Berufsbezeichnungen. So darf sich jeder nennen, der mag: du auch. Man muss sich nur trauen.

Wenn, wie es früher hieß, Papier geduldig ist — das Internet ist heute noch viel geduldiger. Da kann man ruhig alle möglichen abenteuerlichen Dinge behaupten und glänzende Karrieren erfinden; ernsthaft nachprüfen wird das schon keiner. Darauf verlassen sich die Scharlatane.

Seit August 2014 müssen gewerblich arbeitende Hundetrainer eine Überprüfung ihrer Tätigkeit durch ihr zuständiges Veterinäramt nachweisen. 

Na prima, könnte man denken, endlich!

Gesetzgeber verursacht Chaos

Aus dieser an sich sehr lobenswerten Idee ist aber, dank schlechter (oder fehlender?) Planung seitens des Gesetzgebers ein heilloses Chaos geworden.

Jedes Veterinäramt kann bislang selbst entscheiden, was es als Nachweis der Sachkunde des Trainers gelten lässt, ob und welche Auflagen und Befristungen oder auch Berufsverbote es verhängt… Da werden Berufseinsteiger mit absolvierten Fernkursen in „Hundepsychologie“ als Trainer durchgewunken, und einen Landkreis weiter bekommt der Trainer mit jahrelanger Erfahrung Berufsverbot, weil er den ideologischen Vorstellungen der Damen und Herren vom Amt nicht entspricht.

In Bayern und Nordrhein-Westfahlen gibt es sogar schon mehrere Fälle, in denen vereidigten Sachverständigen im Hundewesen nach den Landeshundegesetzen (also die z.B. über Leinen- und Maulkorbzwang nach Beißunfällen oder sogar über Leben und Tod von auffällig gewordenen Hunden entscheiden) vom Amt die Sachkunde als Trainer abgesprochen wurde.

Natürlich hat auch hier die undurchsichtige Situation vor allem eine Spezies nach oben gespült: die Geschäftemacher. Seitdem klar ist, dass in Sachen §11 TSchG gar nichts klar ist, sprießen „Hundetrainer-Ausbildungen“ nur so wie die Pilze aus dem Boden. Jeder versucht, noch schnell mit der Angst der verunsicherten Hundeschulbetreiber vor einem Berufsverbot möglichst viel abzusahnen.

Was sagt dir das? 

Vielleicht ist das behördliche „OK“, also die Zertifizierung nach §11 TSchG, irgend wann mal ein Qualitätsnachweis. Im Moment ist es das aber noch nicht. (Unser eigener Antrag auf Genehmigung wurde im Januar 2015 positiv entschieden.)

Aber wie findest du nun heraus, ob einer, der gut reden kann oder teure Seminare verkaufen will, tatsächlich was drauf hat oder ob’s nur ein Schwätzer ist? Die Zertifizierung ist, wie wir gesehen haben, vorläufig kein aussagefähiger Hinweis.

Es gibt aber ein sehr probates Mittel, um das herauszufinden: führt er/sie selbst einen fertigen Hund? Mit externer, also nicht „handgestrickter“ Prüfung? Das ist schonmal gut.

Bitte ihn (oder sie), den Hund auszupacken und vorzumachen, was er (oder sie) da erzählt. Kann er das: sehr gut. Kann er nicht oder will er nicht, dann ist äußerste Vorsicht geboten.

Beteilige dich an der Unterhaltung

4 Kommentare

  1. Naja Schpäschäl Securities gibt es viele bei den Hundlern. Wenn man nachfragt und denkt schlüsselt man das für sich selber recht schnell auf. Im Ideal lernt man dann am Anfang seiner Karriere Leute wie die Petschull kennen, die keinen Scheiß erzählen, sondern so wie es wirklich ist. Nach fast 10 Jahren im Gewerbe weiß ich, dass DHF in 90 Prozent aller Fälle heißt spazieren gehen im Objektschutz. Die anderen 10 Prozent bleiben ein paar Jahre mehr oder weniger erfolgreich dabei. Die wenigsten für immer. Auf jeden Fall ist die Gemeinde klein und man kennt sich. Alle paar Jahre taucht dann jemand auf, den kaum einer kennt. Der erfindet das Rad neu und verkauft Wissen das er tatsächlich nicht hat. Fakt ist: die, die militärisch, behördlich oder tatsächlich im Ausland geführt Haben sind das in der Regel tatsächlich nicht.
    Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
    Außer dass du diesen Job nur dann erfolgreich auf Dauer ausüben kannst. Wenn du dieses Hundeding lebst und liebst….

    1. Danke Mike!
      Ich weiß noch, wie Du mit Deiner tollen Lou hier warst zur Überprüfung… ein superklasse Hund. Schon soooo lang her!

  2. Meine nunmehr elfeinhalbjährige Tätigkeit als Hundeführer im Sicherheitsdienst hat mich etwas gelehrt, was Hundesport in über 30 Jahren nicht geschafft hat: Blender erkennen.

    Es stimmt, die meisten Vitae sind nett gestrickt und kaum bis gar nicht nachzuprüfen. Aber man lernt. Spätestens, wenn man dann in sozialen Medien blockiert wird, hat der Blender sich offenbart.

    Danke Claudia, hoffentlich schützt dein Blog viele Neueinsteiger vor Verblendung zu schützen!

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