Diensthunde und Schutzhundesport – Seite 2 – Diensthunde Rhein-Main

Von allem ein bisschen. Vor allem aber kann man an der Entwicklung des DSH gut verfolgen, wie die Zucht, diese kleine, schnelle Schwester der Evolution, in atemberaubendem Tempo eine Hundepopulation nicht nur im Aussehen, sondern vor allem mental radikal verändert.

Ich erwähnte schon, dass der größte zuchtbuchführende Verein innerhalb des VDH, der SV, seit der Ära der Gebrüder Herrmann und Walter Martin, Anfang der ‘80er Jahre des 20. Jahrhunderts, praktisch sein komplettes Augenmerk auf die Produktion und Vermarktung der sogenannten „Hochzuchtpopulation“ des DSH gerichtet hatte.

Zudem, und das soll auch nicht verschwiegen werden, hatte an den alten Ausbildungsmethoden (ja, ich kenne die noch) wirklich nur einer Freude, und das war nicht der Hund.

Junge Hundesportler suchten nach neuen, moderneren, tierfreundlicheren Ausbildungsmethoden, und das war zu den damaligen Zeiten wahrlich nicht einfach. Da musste man schon einiges an Häme und Anfeindungen der „Alten Garde“ wegstecken.
Auf Dauer lässt sich das Neue jedoch nicht aufhalten.

Diese beiden Entwicklungen liefen also parallel: die Ausbildung wurde nach und nach „feiner“, filigraner, und beim Großteil der Hunde auf den Hundeplätzen (damals fast ausschließlich DSH) gingen, durch die züchterische Ausrichtung auf rein optische Merkmale, viele der Gebrauchseigenschaften zurück.

Es ist nur logisch konsequent, die bestehende Prüfungsdordnung Schritt für Schritt immer weiter an die sich (glücklicherweise!) verändernden Arbeitsmethoden der Sportler einerseits sowie an die die physisch wie psychisch geringere Leistungsfähigkeit der Hunde andererseits anzupassen.

Die heutige IGP-Prüfungsordnung, die nurmehr einen Bruchteil von dem verlangt, was vor 30 Jahren Standard war, sowie eine scharfe Richtweise auf immer roboterhafteres Vorführen von Hund und Hundeführer produziert: einen sensiblen, leichtführigen, dünnhäutigen, aufgedrehten und mental unselbständigen Hund. Und da auch die Leistungsfraktion nicht an die Rasse als Ganzes, sondern vor allem an die gute Verkäuflichkeit ihres aktuellen Wurfes denkt, rennen alle zu „dem“ Rüden, der bei der letzten Bundessiegerprüfung ganz oben gelaufen ist, der also die genannten Eigenschaften in ganz besonders hohem Maße besitzt—und wohl auch vererbt.

So wurde innerhalb erstaunlich weniger Jahre aus einem ziemlich ausgeglichenen Allrounder Schäferhund ein glänzender Hochleistungs-Ferrari, dessen robuste Alltagstauglichkeit und „dicken Nerven“ auf dem Altar der IGP-sportlichen Erfolge geopfert wurde.

Hundeführer im Wachdienst

Nach und nach eroberten immer mehr Malinois die Herzen der deutschen Hundesportler. Noch schneller, noch früher, noch höher, noch lauter… Die kleinen, wendigen Belgier liessen ihre Deutschen Vettern regelrecht schwerfällig und abgehängt aussehen.

Bei der nach und nach immer stärker einsickernden Population von Malinois auf deutschen Hundeplätzen (und in deutsche Diensthundeführer-Hände) gab es zwei wesentliche Unterschiede zur Population des DSH:

Zum einen gab es in den Haupt-Zuchtländern der Rasse nicht das hermetisch geschlossene Zuchtbuch als heiliges Nonplusultra der Gebrauchshundezucht. Auch Einkreuzungen anderer geeigneter Gebrauchshunderassen sah und sieht man dort auch heute noch wesentlich entspannter als hier in Deutschland: sehr zum Wohle der Hunde, wie auch weltweit anerkannte Genetiker nicht müde werden zu betonen.

Zum anderen gab es in den Benelux-Ländern und in Frankreich schon von jeher ganz andere Prüfungen zur Zuchtlenkung: es gab die Prüfungen des belgischen und Französischen Ringsports und des holländischen KNPV. Diesen Sportarten liegen sämtlich Programme zugrunde, die, neben einer bemerkenswerten Physis, vor allen ein Höchstmaß an mentaler Stärke, psychischer Belastbarkeit und nicht zuletzt auch an selbständigem Denken, Intelligenz und Ausdauer erfordern. An diese Vorgaben angepasst, entwickelte sich dort eine sehr, sehr gut arbeits- und dienstgeeignete Population von mittelgroßen, starken und wendigen Gebrauchshunden.

In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelang es einer paneuropäischen Gruppe von Enthusiasten, aus Elementen der bereits bestehenden Ringsportprogramme den Mondioringsport zu entwickeln, der sich nach und nach in vielen Ländern Europas etablierte. 

Im Unterschied zu den klassischen Ringsportarten aus Frankreich und Belgien wird im Mondioring ganz besonderer Wert gelegt auf Gelassenheit allen nur denkbaren Umweltreizen gegenüber, was dessen Beliebtheit natürlich schnell steigerte. Während beim IGP Intelligenz und schnelle Entscheidungsfreude des Hundes hinderlich sind, beim Ringsport—und hier besonders beim Mondioring—sind sie essentiell. 

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